Pater Don Demidoff ICCC

Interview für den Band
Persönlichkeiten die Geschichte in Sibiu geschrieben haben?

Pater Don Demidoff

 

 

1. Sie sind seit 14 Jahren Zeuge und aktiver Teilnehmer einer stürmischen Wende ? die Wende Rumäniens von einer totalitaristischen kommunistischen Regime zur Freiheit und zu den Grundsätzen des zivilisierten Europa. Sie kamen aus diesem Europa , können Sie uns beschreiben wie Sie diese rumänische Wende empfinden ?

 

Ich kam nach Rumaenien und hatte nicht den Schimmer einer Ahnung, wie der in einem totalitaeren kommunistischen System geformten Mensch beschaffen ist. Mir war die theoretische Ideologie des Kommunimus bekannt, das war alles. Sicher war der Anfang der Wende in Rumaenien stuermisch, wenn ich allein an die Erschiessung des Tyrannen-Ehepaares denke und an die vermeintliche ?Revolution?.Nun, die Weichen zum Bekenntnis eines freien, ziv ilisierten Europas sind gestellt, der Weg aber dorthin wird noch lang und beschwerlich. sein. Im uebrigen ist es leichter, von einem unterentwickelten Land in eine hoehere Zivilisation einzutauchen, als von einer hoeheren Zivilisation in ein Land ohne minimalste humanitaere Strukturen., ohne die minimalsten Rechtssysteme, abzusteigen, wie ich es erlebte. Das erste Jahr war fuer mich ein Schock. Ich war so blockiert, dass ich nicht einmal die einfachsten Worte in Rumaenisch adaptieren konnte.Gleich in den ersten Monaten in Rumaenien verlor ich drei Mitarbeiter aus dem Westen, die sich den Bedingungen nicht stellen konnten. Ich kann nicht sagen, dass ich auch nur einen Hauch von Freiheit feststellen konnte und mir heute noch nicht klar ist, was man hierzulande unter Freiheit versteht. Die Indoktrination hat tiefe Wurzeln und wird noch lange nicht verschwinden.


2. Sie kamen nach Rumänien mit christlichen Absichten und karitablen Zielen, zuerst nach Cincu, dann im Kreis Sibiu, nach Jakobsdorf. Weshalb haben Sie die Straßenkinder, verlassene junge Menschen ausgewählt ?Gab es nicht auch andere Kategorie unterdrückter, verleumder Menschen in Rumänien ?

Ich war Strassenpriester der Independent Catholic Church of Netherland und arbeitete dort mit den Strassenkindern und der "zwerfjeugd" der sich herumtreibenden Jugend, wie man dort sagt. Im Jahr 1990 sah ich die schockierenden Bilder der Kinder vom Gara Nord im Fernsehen in Holland.

Da ich die Situation von Strassenkindern sehr gut kannte, wollte ich nicht glauben, was dort berichtet wurde. Eine Journalistin des Fernsehens forderte mich auf, selbst hinzufahren und mit eigenen Augen zu sehen. Das tat ich und ich sah die grauenhafte Realitaet. Kinder in Muelltonnen, Kinder in Kanaelen, Kinder in Gepaeckschliessfaechern. Kinder in Lumpen und verkommen, Kinder in Heimen in Betten angekettet, wie ich nie menschliche Wesen verkommen gesehen habe.

Dagegen war die Strassenkinder in Amsterdam "Luxusgeschoepfe". Es war also nur allzu natuelich, dass mich das Schicksal der Strassenkinder in Bukarest so sehr angriff, dass ich auf der Stelle beschloss, hier einzugreifen, gemaess dem Evangelium Jesu Christi: ?ich war nackt, ich war krank, ich hatte Hunger, ich war im Gefaengnis?? Und wer einem dieser Kleinen hilft, hilft mir (Jesus Christus) selbst?. O ja, es gibt noch heute in Rumaenien soviele entrechtete, unterdrueckte und verleumdete Menschen, dass man wohl ganze humanitaere Armeen benoetigt, um diese Misstaende zu aendern. Aber als einzelner Mensch, als Independent-Priester kann ich nicht die ganze Welt umarmen.Die Kinder sind immer die schwaechsten Glieder jeder Gesellschaft. Sie haben Recht auf besondere Aufmerksamkeit und besonderen Beistand. Dennoch habe ich vor einem Jahr die ?Liga fuer moralische Wiedergeburt in Rumaenien? gegruendet, die sich hoffentlich bald auch um die Rechte anderer Menschen kuemmern wird, vor allem die Verleumdeten, vor allem die Alten, vor allem die Kranken. Alle sind immer noch in diesem Land ohne Rechte.

Bezeichnend ist, dass die gesetzliche Anerkennung der ?LIGA? mit unglaublichen Schwierigkeiten verbunden war, wohl auch deshalb, weil in den Satzungen der Kampf gegen Korruption und den Anti-Christ besonders hervorgehoben ist. (www.ligarenasteriiromaniei)


3. Bitte beschreiben Sie uns einige Ihrer Projekte welche Sie in Cincu und in Jakobdorf gestaltet haben. Woher sind Sie losgegangen und wo sind Sie jetzt angekommen ?

Ich begann, Kinder auf der Strasse aufzulesen oder aus verkommenen Staellen einzusammeln.Bald kamen sie von selbst und ich wurde des Andranges nicht mehr Herr. Bei meiner ersten Ankunft in Sibiu uebernachtete ich im ?Roemischen 1. Kaiser?. Am Abend half ich ein | zwei bettelnden Kindern vor dem Hoteleingang. Am naechsten Morgen hatten sich etwa 40 Strassenkderdort versammelt und warteten auf mich. Seit 14 Jahren gibt es nun das ?Casa Don Bosco? inCincu, das Zuhause fuer verlassenen Kinder. Seit einigen Jahren wohne ich selbst in Iacobeni,einem Zigeunerdorf. Die ehemals evangelische Kirche habe ich den Zigeunern geoeffnet und feiere mit ihnen sonntags Gottesdienst. In den Kindergottesdienst kommen ca. 200 Zigeunerkinder. Durch den Religionsunterricht und das Gebet mit ihnen habe ich langsam Einfluss auch auf ihre Zivilisation und ihr erbaermliches Leben.Daraus erwuchs eine zusaetzliche pastorale Arbeit fuer diese Familien, die ja ebenfalls zu den Entrechteten gehoeren. Ich lehne die Vorurteile gegen diese Menschen ab und versuche auch ihnen zu helfen. Ob und wo ich wirklich irgendwo angekommen bin, muss Gott allein beurteilen. Taeglich muss ich bei all meinen Aktivitaeten und Einsaetzen doch meine Ohnmacht und meine Unzulaenglichkeit, vor allem auch meine eigmenschliche Schwaeche erkennen. Saemtliche Aktivitaeten (www.depeschedondemidoff.com)

 

4. Es heißt, in Rumänien bleibt keine gute Tat unbestraft. Haben Sie das persönlich zu spühren bekommen ? Woher entspringt ihre Kraft alle Hindernisse zu überschreten und ihre karitable Tätigkeit in Sibiu fortzusetzen ?

Wie wahr, wie wahr. Und wie pervers. Was haben diese unseligen Diktatoren nur mit den Menschen angestellt?? Hier geht es nicht um Beeinflussung, sondern um eine perverse Indoktrination, fast ein unheilbarer Virus. Ich bezweifle darum auch, dass diese Indoktrination in wenigen Generationen ausloeschbar sein soll. Es gibt ja eine Unzahl von Proverben in Rumaenien, die diese Indoktrination belegen. Und leider sind unsere Kinder auch noch davon befallen. Die menschliche Struktur wurde geradezu auf den Kopf gestellt und taeglich werde ich noch damit konfrontiert. DA ich staendig damit beschaeftigt bin ?Gutes zu tun?, werde ich auch taeglich bestraft. Zu dieser Indoktrination gehoert ja auch, dass man denen misstrauen soll, die ?vorgeben? Gutes zu tun, also es gibt in Wirklichkeit kein Philantropen? Als ich kam, hatte ich aber noch mehrere Maengel in den Augen der Alt- und Neokommunisten. Ich bin Fremder (schrecklich genug fuer ein Land, dass so abgeschlossen war), ich bin katholischer Priester (die man in die Gefaengnisse verbannt oder ermordet hat) und ich bin zoelibataer. (Eine aesserst ungesunde verdaechtige Lebensform). So wurde ich verfolgt als Spion, Terrorist, Haendler fuer Kinderorgane usw. Ich wurde geschlagen und verhaftet, staendig mit Luegen und Intrigen verfolgt bin durch mehrere Anschlaeg auf Leib und Leben schon lange nicht mehr gesund. Ich bin der festen Ueberzeugung, dass Gott mich in dieses Land und dieses Leben gestellt hat und keine Chance habe, hier wegzulaufen. Ich bringe ein Opfer und ich tue es im Namen Jesu, der seinen Kreuzweg auch nicht abgebrochen hat und auch nicht vom Kreuz heruntergestiegen ist.

Christsein bedeutet nicht, unablaessig Kreuzzeichen zu schlagen, Christ bedeutet Solidarisierung mit den Entrechteten, mit den Armen, mit den Verlassenen. Vor allem aber mit den Kindern.


5. Sie haben ein besonders polemisches Buch geschrieben das Sie unlängst veröffentlicht haben "Der Dornenpriester". Welche Botschaft möchten Sie dadurch den Rumänen und dem Ausland senden?


Mein Buch "Der Dornenpriester" ist nichts anderes als eine Beschreibung eines 14jaehrien Leidensweges fuer diese Menschen. Es ist subjektiv beschrieben, sehr emotionel aber auch sehr ehrlich. Es hat keine Botschaft. Es will wohl dokumentieren, dass es sich lohnt sein LEBEN fuer die Sache Jesu einzusetzen, um des Himmelreiches willen?

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